Lage der Christen im Nahen Osten

Das Christentum hat seinen Ursprung im Nahen Osten. Das Heilige Land als Heimat Jesu weiß sich bis heute als Erbe und Hüter der heiligen Stätten des Christentums verpflichtet. Aber auch in den Nachbarländern wie Libanon, Syrien, Irak, Jordanien und Ägypten hat sich seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten ein reiches christliches Leben entfaltet. Neben Phasen friedlicher Koexistenz und interreligiöser Toleranz sahen und sehen sich die Christen in der Region immer wieder mit Verfolgung und Unterdrückung konfrontiert. Der Heilige Stuhl hat sich wiederholt zur Lage der Christen im Nahen Osten geäußert. Seit Papst Paul VI. reisen die Päpste in diese von Spannungen und Konflikten heimgesuchte Region. Dabei geht es der Kirche immer um einen Dialog zwischen den Konfessionen und Religionen: Sowohl zwischen Christen und Juden als auch zwischen Christen und Muslimen gibt es einen solchen auf gegenseitiger Wertschätzung beruhenden Dialog. Aufgeteilt in die Länder des Nahen Ostens, die von sich sagen, dass hier die „Wiege der Zivilisation“ liege, folgt ein Überblick über die Lage der Christen sowie Zahlen zur katholischen Kirche.

Ägypten

Rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung bekennt sich zum Christentum. Der größte Teil sind koptisch-orthodoxe Christen, als Minderheit existiert auch die koptisch-katholische Kirche. Während die Christen unter Staatspräsident Hosni Mubarak immer wieder Repressionen ausgesetzt waren, hat sich die Lage seit der Januar-Revolution 2011 nochmals verschlechtert. Das gilt sowohl für die allgemeine Situation in Ägypten als auch speziell für die Christen. Islamistische Terrorgruppen haben zahlreiche Anschläge auf koptische Kirchen verübt. Gleichzeitig versucht die Kirche durch einen Dialog mit der Regierung ihre Freiräume in einem Land zu verteidigen, in dem der Islam Staatsreligion ist. An diesem Dialog beteiligt sich neben der koptisch-orthodoxen Kirche mit ihrem Oberhaupt Papst Tawadros II. auch die katholische Kirche. Ein wichtiger Dialogpartner ist die höchste sunnitische Lehrautorität, die al-Azhar-Universität zu Kairo. Die Christen in Ägypten fühlen sich vor allem durch die Besuche von Papst Johannes Paul II. (2000) und Papst Franziskus (2017) gestärkt.

Zahlen zur katholischen Kirche in Ägypten (2015)*:
Gesamtbevölkerung: 89 Mio.
Katholiken: 272.000
Bistümer: 15
Pfarreien: 213
Bischöfe: 15
Priester (mit Ordenspriestern): 494
Ordensleute: 1.189
Priesteramtskandidaten: 98
Kindergärten und Schulen: 396
sowie 233 Krankenhäuser, Ambulatorien, Altenheime und Waisenhäuser.

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Irak

Das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris ist einer der frühen Siedlungsräume von Christen. Bis heute prägen christliche Kirchenbauten den Irak, auch wenn die Gesamtbevölkerung der Christen von 6,6 Prozent in 1990 auf 3,2 Prozent in 2010 gesunken ist, Tendenz weiter fallend. Bis zum Sturz von Saddam Hussein am 9. April 2003 galt im Irak ein laizistisches Staatssystem, das innerhalb der Grenzen eines diktatorischen Apparats den Christen relative Freiheit ermöglichte. Heute ist der Islam Staatsreligion. Obwohl die Religionsfreiheit der Christen Einschränkungen unterliegt, wissen die Zentralregierung in Bagdad, aber auch die Verantwortlichen in der autonomen Region Kurdistan, dass ohne christliches Engagement viele Bildungseinrichtungen, Waisenhäuser und Caritasstationen schließen müssten. Mit dem Sturz Husseins setzte eine Flüchtlingswelle von Irakern Richtung Jordanien ein, die nach einigen Jahren abebbte, sodass sich die Situation im Land wieder relativ beruhigte. Diese Ruhe endete mit den Eroberungen des sogenannten Islamischen Staates, der weite Gebiete des Irak besetzte und kontinuierlich zerstörte. Ein Massenexodus der Christen war die Folge, die entweder in eines der Nachbarländer, vor allem Jordanien, flüchteten oder zu Binnenflüchtlingen innerhalb des Irak wurden. Seit dem Rückzug des sogenannten Islamischen Staates im Sommer 2017 aus ehemals vor allem christlich besiedelten Gebieten (Mossul, Karakosch und weitere Orte der Niniveh-Ebene) kehren die ersten Christen in ihre Heimat zurück. Die größte christliche Konfession ist die assyrisch-katholische Kirche (Chaldäer), die von Patriarch Louis Raphael I. Sako geführt wird, der seinen Sitz in Bagdad hat.

Zahlen zur katholischen Kirche im Irak (2015):
Gesamtbevölkerung: 36,7 Mio.
Katholiken: 592.000
Bistümer: 15
Pfarreien: 119
Bischöfe: 15
Priester (mit Ordenspriestern): 147
Ordensleute: 366
Priesteramtskandidaten: 41
Kindergärten und Schulen: 70
sowie 60 Krankenhäuser, Ambulatorien, Altenheime und Waisenhäuser.

Solidaritätsreise 2018:

Erzbischof Schick beendet Reise mit Hilfswerken in den Irak
Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), hat am 7. April 2018 seine fünftägige Reise in den Irak beendet. Begleitet wurde er von den Leitern der katholischen Hilfswerke, die sich in besonderer Weise im Mittleren Osten engagieren.

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Israel und Palästina

Seit Papst Paul VI. haben alle Päpste das Heilige Land – Israel und Palästina – besucht. Dabei haben die Päpste immer wieder gewarnt, die christlichen heiligen Stätten nicht zu Museen verkommen zu lassen, sondern mit christlichem Geist zu erfüllen. Das ist angesichts eines permanenten und schleichenden Christenexodus aus der Region immer schwerer geworden. So kann man heute auch nicht ohne Weiteres von der katholischen Kirche in Israel und jener in Palästina sprechen, auch wenn die Kirche (der Heilige Stuhl) seit 1967 für das Existenzrecht zweier Staaten mit international anerkannten Grenzen plädiert. Der größte Teil der katholischen Christen in Israel und Palästina gehört zur griechisch-katholischen (melkitischen) Kirche. Die römisch-katholische Kirche steht unter Leitung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, das neben Israel und Palästina auch Jordanien und Zypern umfasst. Daneben gibt es kleinere Gemeinden maronitisch-katholischer, syrisch-katholischer, armenisch-katholischer und chaldäischer Christen im Heiligen Land. Die katholische Kirche, aber auch die anderen christlichen Konfessionen (griechisch-orthodoxe Kirche, armenisch-apostolische Kirche, Protestanten u. a.) leisten eine für den israelischen und palästinensischen Staat unverzichtbare Arbeit im Schulsektor und in der Caritas. Die christlichen Schulen in beiden Ländern gelten als besonders gut, Krankenhäuser und Altenheime stehen den Menschen über Religionsgrenzen hinweg offen. Diese Einrichtungen machen das Proprium christlichen Engagements im Heiligen Land aus und das bei einem Bevölkerungsanteil von rund 1,9 Prozent Christen in Israel und 1,7 Prozent Christen in Palästina. Der zermürbende Nahostkonflikt, der seit Jahren nicht mehr vorankommende Friedensprozess und die fortdauernde israelische Präsenz in großen Teilen des Westjordanlandes haben viele, vor allem gut ausgebildete palästinensische Christen bewogen, in die Diaspora zu gehen.

Zahlen zur katholischen Kirche in Israel und Palästina (2015):
Gesamtbevölkerung: 8,4 Mio.
Katholiken: 297.000
Bistümer: 1 (Lateinisches Patriarchat von Jerusalem)
Pfarreien: 81
Bischöfe: 9
Priester (mit Ordenspriestern): 411
Ordensleute: 1.095
Priesteramtskandidaten: 147
Kindergärten und Schulen: 197
sowie 45 Krankenhäuser, Ambulatorien, Altenheime und Waisenhäuser.

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Jordanien

Im Haschemitischen Königreich Jordanien machen die Christen rund drei Prozent der Bevölkerung aus. Das Königshaus unter König Abdullah II. achtet aufmerksam darauf, dass die Christen ihre Glaubensfreiheit ausüben können, wenngleich der Islam in Jordanien Staatsreligion ist. Über viele Jahrzehnte ist durch das Königshaus ein solider Dialog zwischen Christen und Muslimen aufgebaut worden, der den Christen weitgehende Freiheiten gibt. Der langjährige potentielle Thronfolger und jetzige Onkel des amtierenden Königs, Prinz Hassan bin- Talal, hält bis heute Gastvorlesungen an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Die christliche Minderheit (insbesondere griechisch-orthodoxe und katholische Christen) leistet neben der Pfarreiarbeit auf dem Feld der Caritas einen für die Regierung unverzichtbaren Beitrag zur Bewältigung der Armut in Jordanien. Insbesondere durch die Flüchtlingsströme aufgrund des syrischen Bürgerkriegs und Jahre zuvor aus dem Irak hat sich die Caritas zu einem der wichtigsten humanitären Ansprechpartner entwickelt. Die katholische Kirche in Jordanien wurde von Papst Paul VI. (1964), Papst Johannes Paul II. (2000), Papst Benedikt XVI. (2009) und Papst Franziskus (2014) besucht. Die römisch-katholische Kirche zählt juristisch zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, das in Amman durch einen Weihbischof vertreten wird. Die griechisch-katholische Kirche hat eine eigene Erzdiözese in Jordanien.

Zahlen zur katholischen Kirche in Jordanien (2015):
Gesamtbevölkerung: 9,5 Mio.
Katholiken: 112.000
Bistümer: 1 (zugehörig zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem)
Pfarreien: 67
Bischöfe: 4
Priester (mit Ordenspriestern): 143
Ordensleute: 205
Priesteramtskandidaten: 6
Kindergärten und Schulen: 149
sowie 15 Krankenhäuser, Ambulatorien, Altenheime und Waisenhäuser.

Libanon

Nach wie vor ist der Libanon das Land im Nahen Osten mit der größten christlichen Bevölkerung. In den 1960er Jahren waren noch 60 Prozent der Bevölkerung Christen. Auch wenn es heute nur noch knapp 40 Prozent sind, so leisten die Christen doch einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt im Libanon. Mit der bis heute gültigen Verfassung von 1923 und dem sogenannten religiösen Proporzsystem stellen die Christen den Staatspräsidenten, die sunnitischen Muslime den Ministerpräsidenten und die schiitischen Muslime den Parlamentspräsidenten. Während des langen libanesischen Bürgerkriegs (1975–1987) verließen mehrere Hunderttausend Christen den Zedernstaat. Die größte christliche Konfession ist die der Maroniten, die sich im 12. Jahrhundert als eigene Konfession im Nahen Osten herausbildete. Sie steht in voller Kommuniongemeinschaft mit dem römischen Papst. Geführt werden die Maroniten von einem durch eine Synode der maronitischen Bischöfe gewählten Patriarchen, der entsprechend vom Papst anerkannt wird. Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 flammen immer wieder auch bewaffnete Konflikte im Libanon auf, das seitdem mehr als eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen hat. Während das Land an den Grenzen seiner Kapazität steht, ist es vor allem die katholische Kirche und ihre Caritas, die eine zentrale Erstversorgung übernimmt und ein umfassendes Schulangebot eingerichtet hat. Die letzte Auslandsreise von Papst Benedikt XVI. führte im September 2012 in den Libanon. Zuvor war bereits 1997 Papst Johannes Paul II. dort gewesen.

Zahlen zur katholischen Kirche im Libanon (2015):
Gesamtbevölkerung: 5 Mio.
Katholiken: 1,9 Mio.
Bistümer: 24
Pfarreien: 1.065
Bischöfe: 53
Priester (mit Ordenspriestern): 1.601
Ordensleute: 2.530
Priesteramtskandidaten:  286
Kindergärten und Schulen: 828
sowie 322 Krankenhäuser, Ambulatorien, Altenheime und Waisenhäuser.

Syrien

Das syrische Christentum hat sich bis zum Beginn des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 positiv entwickeln können. Nach den blutigen Verfolgungen in den 1960er Jahren gewährte Staatspräsident Hafiz al-Assad bei der Machtübernahme 1970 zunächst Glaubensfreiheit, die mit der Verfassung von 1973 verbrieft wurde und bis heute Gültigkeit hat, weswegen der Islam in Syrien nicht Staatsreligion ist. In der Zeit bis 2011 gab es eine weitestgehend friedliche Koexistenz mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Trotz der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die das Regime von Staatschef Bashar al-Assad zu verantworten hat, können die Christen in den von der Regierung kontrollierten Gebieten auch heute noch ihre Religion vergleichsweise frei ausüben. Neben der größten christlichen Konfession, der syrisch-orthodoxen Kirche, gefolgt von der griechisch-orthodoxen Kirche, gibt es auch katholische (vor allem griechisch-katholische) und armenische Christen. Die Christenviertel in den großen Städten wie Damaskus, Homs, Hama und Aleppo waren bis zum Bürgerkrieg von einem harmonischen Miteinander mit den muslimischen Nachbarn geprägt. Der syrische Bürgerkrieg hat auch viele der gerade gut ausgebildeten Christen zur Flucht bewogen. Lag der christliche Bevölkerungsanteil 2005 noch bei rund zehn Prozent, dürfte er mittlerweile (2017) auf maximal sieben Prozent zurückgegangen sein. Nach wie vor spielt die katholische Caritas eine zentrale Rolle bei der Ersthilfe in den vom Bürgerkrieg geplagten Regionen. Die Zukunft des Christentums hängt letztlich davon ab, ob eine nachhaltige Friedenslösung für ganz Syrien gefunden werden kann. 2001 besuchte Papst Johannes Paul II. Damaskus und die Golanhöhen. Einen wichtigen Solidaritätsbesuch erfuhren die syrischen Christen im April 2016 als der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick, über den libanesischen Landweg nach Syrien reiste und dort in Damaskus aus erster Hand über die Lage informiert wurde.

Zahlen zur katholischen Kirche im Syrien (2015):
Gesamtbevölkerung: 20,4 Mio.
Katholiken: 288.000
Bistümer: 18
Pfarreien: 190
Bischöfe: 18
Priester (mit Ordenspriestern): 223
Ordensleute: 483
Priesteramtskandidaten: 41  
Kindergärten und Schulen: 50
sowie 85 Krankenhäuser, Ambulatorien, Altenheime und Waisenhäuser.

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*Die Zahlen sind dem aktuellen Statistischen Jahrbuch des Heiligen Stuhls 2015 entnommen.